Brauchtum in Exdorf

Kalkspuren

Jedes Jahr zu Pfingsten wird in Exdorf einem alten Brauch nachgegangen: die Jugend macht die sogenannten Kalkspuren. 

Im Vorfeld muss recherchiert werden, wer mit wem ein Verhältnis hat bzw. wer verbandelt ist. Dann wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag Kalk angerührt und dann kanns auch schon losgehen. Die Kalkspur wird von einem Haus zum entsprechenden Haus des anderen gemacht. Wenn die Liebschaft außerhalb Exdorfs wohnhaft ist, dann zum Dorfende in Richtung des Wohnortes. 

Geheime Verhältnisse treten dadurch ans Tageslicht. 

Frühmorgens sind dann die Geschädigten bemüht, ihre Kalkspur mit Besen und Wasser schnellstmöglich zu beseitigen.

Natürlich gibt es anfangs noch Gerede, aber nach einigen Wochen ist dann von der Kalkspur eh nichts mehr zu sehen und „Gras drüber gewachsen“. Da dieser Brauch hier in der Gegend sehr selten geworden ist, wäre es schade, wenn er sich verlieren würde. Aber zum Glück finden sich jedes Jahr wieder junge Leute, um an diesem Spaß teilzuhaben.

Mit den Kalkspuren einher geht noch ein anderer Brauch. In der Nacht zum Pfingstsonntag wurden früher auch häufig Gartentüren ausgehängt und im Dorf versteckt. Über die Jahre waren es dann nicht nur Gartentürchen, sondern auch alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wie z.B. Gartenbänke. Manche Bewohner sind den ganzen Sonntag unterwegs, um ihr Hab und Gut zu suchen und wieder nach Hause zu bringen. 

Maibaumaufstellen

Früher stellten die jungen Burschen ihrer Liebsten einen Maibaum vor die Haustür. Ein grüner Zweig der Birke oder Buche wurde geschnitten und dem Mädchen damit gezeigt, dass der Bursche sie gerne hat. 

Dieser Brauch wird heutzutage nicht mehr gepflegt. 

Lichtstube

In den ersten Jahren nach dem Krieg wurden in Exdorf noch sehr intensiv Lichtstuben gebildet. Hier spielte sich-vor allem unter der weiblichen Bevölkerung im Winterhalbjahr- die Feierabendtätigkeit ab. Hier wurde gestickt, gestrickt, gehäkelt usw. und dabei natürlich unterhalten. Dabei haben sich in den einzelnen Lichtstuben altersmäßig zusammenpassende Gruppen zusammengefunden. Besucht wurden die Lichtstuben täglich. Dass natürlich bestimmte Feiern wie Fastnacht usw. ausgiebig durchgefeiert wurden, versteht sich von selbst. Es ging dort immer sehr gemütlich zu und es hat manchen Spaß dabei gegeben. Die Männer trafen sich in den Gastwirtschaften. Hier kam es nicht darauf an, sich etwa zu betrinken – was zu der Zeit so gut wie unmöglich war- sondern sich zu unterhalten und Karten zu spielen. 

Zu erklären ist die Entstehung der Lichtstuben damit, dass die Amerikaner die Rundfunkgeräte abgeholt hatten und dass es noch kein Fernsehen gab. Da war man am Gedankenaustausch am runden Tisch sehr interessiert. 

Backspiel

So nannte sich früher das Auslosen der Reihenfolge des Backens im Backhaus. 

Es wollte niemand gerne die Nummer 1 ziehen. Wenn man als erstes backen musste, war es notwendig, mehr zu heizen, weil der Backofen vollkommen erkaltet war. 

Das letzte Los war auch nicht gern gesehen. Da konnte es sein, dass man um Mitternacht erst gebacken hat. 

Heutzutage hat jeder daheim seinen eigenen Backofen und kann selbst entscheiden, wann er was backen möchte.

Osterwasser

Auch noch so ein uralter Brauch ist das Osterwasser holen. 

Nach einer überlieferten Geschichte sollen die Mädchen und jungen Frauen in der Osternacht in die Lang Gass laufen mit einer Kanne oder Krug und sich dort aus der Quelle frisches Wasser holen, um sich dann daheim damit zu waschen. Man durfte allerdings auf dem Weg dahin um heimwärts nicht reden oder lachen.

Die Jungen haben sich daraus einen Spaß gemacht, die Mädchen verfolgt und dann gejagt, mit Steinen und Dreckpatzen beworfen oder gekitzelt, sodass die Mädchen gekichert und geredet haben. Somit war der Zauber des Osterwassers verloren.Zu diesem Backspiel- und Osterwasserbrauch gibt es in der Chronik von Exdorf den von Birgit Dittmar geschriebenen Sketch „Backspiel un Uesterwasser“

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