Noch erhaltene Bräuche:
Kalkspuren:
Jedes Jahr zu Pfingsten wird in Exdorf einem alten Brauch nachgegangen: die Jugend macht die sogenannten Kalkspuren.
Im Vorfeld muss recherchiert werden, wer mit wem ein Verhältnis hat bzw. wer verbandelt ist. Dann wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag Kalk angerührt und dann kanns auch schon losgehen. Die Kalkspur wird von einem Haus zum entsprechenden Haus des anderen gemacht. Wenn die Liebschaft außerhalb Exdorfs wohnhaft ist, dann zum Dorfende in Richtung des Wohnortes.
Geheime Verhältnisse treten dadurch ans Tageslicht.
Frühmorgens sind dann die Geschädigten bemüht, ihre Kalkspur mit Besen und Wasser schnellstmöglich zu beseitigen.
Natürlich gibt es anfangs noch Gerede, aber nach einigen Wochen ist dann von der Kalkspur eh nichts mehr zu sehen und „Gras drüber gewachsen“. Da dieser Brauch hier in der Gegend sehr selten geworden ist, wäre es schade, wenn er sich verlieren würde. Aber zum Glück finden sich jedes Jahr wieder junge Leute, um an diesem Spaß teilzuhaben.
Mit den Kalkspuren einher geht noch ein anderer Brauch. In der Nacht zum Pfingstsonntag wurden früher auch häufig Gartentüren ausgehängt und im Dorf versteckt. Über die Jahre waren es dann nicht nur Gartentürchen, sondern auch alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wie z.B. Gartenbänke. Manche Bewohner sind den ganzen Sonntag unterwegs, um ihr Hab und Gut zu suchen und wieder nach Hause zu bringen.

Exdorfer Trachtenkirmes:
Traditionell wurde die Exdorfer Trachtenkirmes immer Mitte November gefeiert – aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der Schlachtruf „14-15 Kermes“. Seit einigen Jahren ist in Exdorf jedoch am letzten Oktober-Wochenende Kirmeszeit.
Los geht es am Donnerstagabend mit dem Ansaufen der Kirmes.

Am Freitagfrüh wird von den Kirmesburschen im Wald der Kirmesbaum gefällt und ins Dorf gebracht. Vor dem Aufstellen der Tanne muss diese allerdings noch geschält und die Spitze mit bunten Bändern geschmückt werden. Am Freitagabend treffen sich alle zum Kirmesgottesdienst in der Kirche. Jetzt dürfen endlich die Trachten (zum Teil noch original erhalten von früher) angezogen werden. Nach dem Gottesdienst zieht die Kirmesgesellschaft in den Saal zum Kirmestanz. Angeführt werden Sie vom Kirmesschulz und seiner Partnerin.
Der Kirmesschulz hat einen mit bunten Bändern geschmückten Reißigbesen. Mit diesem Besen werden während des Tanzabends die Tanzpaare angestoßen und bekommen eine Extratour. Kommt der Besen abhanden, muss er von der Kirmesgesellschaft ausgelöst werden.

Am Samstagmorgen treffen sich dann alle Kirmespaare, um gemeinsam mit der Kapelle von Haus zu Haus zu ziehen und den Einwohnern ein Ständchen zu bringen. Am Abend treffen sich dann alle wieder zum Tanz im Saal. Am Sonntagnachmittag kommen dann auch die jüngsten Einwohner auf ihre Kosten.
Nach dem Abholen der Kirmesmädchen durch die Burschen und der Kapelle spielen die Musikanten zum Kindertanz auf, der mit dem Einmarsch der Kinderkirmes eröffnet wird.
Nach drei Wochen findet die sogenannte Nachkirmes statt. Hierzu treffen sich noch einmal alle am Samstagabend zum Tanz im Saal. Zu später Stunde wird die Kirmespredigt verlesen. Hier erfahren die Einwohner so manch lustige Anekdote aus dem vergangenen Jahr. Am Sonntagmorgen trifft sich das Dorf zu einem großen Frühschoppen im Saal und am Nachmittag wird die Kirmes beerdigt. Die Kirmesleiche (ein Kirmesbursche in einem Backtrog, welcher als Sarg fungiert) wird von den Kirmesburschen in den Saal getragen. Nach der Beerdigung darf der Schlachtruf ein Jahr nicht mehr erklingen und die Trachten werden bis zum nächsten Jahr im Schrank verstaut.
Brauchtum ist kein starres Gebilde, sondern lebt von Menschen, die es tragen. Auch die Kirmesfeierei in Exdorf hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Manches war anders – etwa der Ablauf oder die Programmpunkte. Neues kommt hinzu, Bewährtes bleibt bestehen. So entwickelt sich Tradition und Brauchtum weiter, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Osterbrunnen schmücken:
In den vergangenen Jahren konnten einige Bräuche und Traditionen aufrechterhalten werden. Teilweise etablierten sich in Exdorf auch neue Gewohnheiten und darunter fällt das Schmücken der Osterkrone. Was als kleine Idee begann, wird seit dem Jahr 2014 jedes Jahr kurz vor der Osterzeit gepflegt. Die Jungen Landfrauen nahmen sich der Aufgabe an, die Brunnen zu verschönern. In Exdorf gibt es drei Brunnen. In manchen Jahren wurden zwei davon geschmückt, manchmal sogar alle drei.

Nun schmücken die Frauen nur eine große Krone, welche von den Männern auf dem mittleren Brunnen im Dorf platziert wird.

In Vorbereitung des Schmückens müssen Wedel geholt werden. Was die Exdorfer Osterkrone so besonders macht, ist, dass diese mit echtem Tannengrün gebunden wird. Nach Besorgung der Zweige treffen sich die Frauen ca. drei Wochen vor Ostern und binden in mühevoller Handarbeit die Osterkrone. Stück für Stück und Reihe für Reihe wird das klein geschnittene Tannengrün um das Gestell aus Stahl gewickelt.
In jedem Jahr lassen sich die Jungen Landfrauen kreative Muster oder Farbkombinationen einfallen, die der Osterkrone das nötige i-Tüpfelchen geben.
Ausgestorbene Bräuche:
Maibaumaufstellen:
Früher stellten die jungen Burschen ihrer Liebsten einen Maibaum vor die Haustür. Ein grüner Zweig der Birke oder Buche wurde geschnitten und dem Mädchen damit gezeigt, dass der Bursche sie gerne hat.
Dieser Brauch wird heutzutage nicht mehr gepflegt.
Lichtstube:
In den ersten Jahren nach dem Krieg wurden in Exdorf wieder sehr intensiv Lichtstuben gebildet. Der Brauch geht noch viel weiter zurück, jedoch wurden die Lichtstuben über den Krieg pausiert. In den Lichtstuben spielte sich – vor allem unter der weiblichen Bevölkerung im Winterhalbjahr – die Feierabendtätigkeit ab. Hier wurde gestickt, gestrickt, gehäkelt usw. und dabei natürlich unterhalten. Dabei haben sich in den einzelnen Lichtstuben altersmäßig zusammenpassende Gruppen zusammengefunden.

Besucht wurden die Lichtstuben täglich. Es ging dort immer sehr gemütlich zu und es hat manchen Spaß dabei gegeben. Die Männer trafen sich in den Gastwirtschaften. Hier kam es nicht darauf an, sich etwa zu betrinken – was zu der Zeit so gut wie unmöglich war- sondern sich zu unterhalten und Karten zu spielen.
Backspiel:
So nannte sich früher das Auslosen der Reihenfolge des Backens im Backhaus. Es wollte niemand gerne die Nummer 1 ziehen. Wenn man als erstes backen musste, war es notwendig, mehr zu heizen, weil der Backofen vollkommen erkaltet war.
Das letzte Los war auch nicht gern gesehen. Da konnte es sein, dass man um Mitternacht erst gebacken hat.
Heutzutage hat jeder daheim seinen eigenen Backofen und kann selbst entscheiden, wann er was backen möchte.
Osterwasser:
Auch noch so ein uralter Brauch ist das Osterwasser holen.
Nach einer überlieferten Geschichte sollen die Mädchen und jungen Frauen in der Osternacht in die Lang Gass laufen mit einer Kanne oder Krug und sich dort aus der Quelle frisches Wasser holen, um sich dann daheim damit zu waschen. Man durfte allerdings auf dem Weg dahin um heimwärts nicht reden oder lachen.
Die Jungen haben sich daraus einen Spaß gemacht, die Mädchen verfolgt und dann gejagt, mit Steinen und Dreckpatzen beworfen oder gekitzelt, sodass die Mädchen gekichert und geredet haben. Somit war der Zauber des Osterwassers verflogen.
Zu diesem Backspiel- und Osterwasserbrauch gibt es in der Chronik von Exdorf den von Birgit Dittmar geschriebenen Sketch „Backspiel un Uesterwasser“
