Weil Heimat Tradition bedeutet – Trachtenkirmes in Exdorf

Vier Tage Kirmesfeierei voller Musik, Tanz, Gemeinschaft und gelebter Tradition liegen hinter Exdorf. Vier Tage, an denen gelacht, gefeiert, gesungen und so manche Erinnerung geschaffen wurde. Doch die Exdorfer Trachtenkirmes ist weit mehr als ein ausgelassenes Festwochenende. Sie ist ein Stück Heimat, ein Stück Identität und vor allem eine Herzensangelegenheit für all jene, die diese besondere Tradition Jahr für Jahr mit Leben füllen.

Wer glaubt, eine Kirmes beginne mit dem ersten Bier und den ersten Klängen der Blasmusik, der irrt gewaltig. Denn hinter vier Tagen ausgelassener Kirmesfeierei stecken unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit, jede Menge Organisation und Menschen, die mit ganzem Herzen dabei sind. Schon am Montag vor dem großen Festwochenende brannte bis in die Abendstunden Licht im Saal des Exdorfer Kulturhauses.

Schließlich baut sich so eine Kirmes nicht von allein auf! Für die Mitglieder des Exdorfer Kirmesverein e. V. begann damit die heiße Phase der Vorbereitungen. Viel Zeit, Mühe und Herzblut waren bereits in die Planung geflossen, nun galt es, alles für das große Wochenende herzurichten. Während im Kulturhaus fleißig gewerkelt wurde, lag hinter der Kirmesgesellschaft bereits eine wochenlange Probenzeit. Sonntag für Sonntag wurde getanzt, geübt und am perfekten Einmarsch gefeilt. Auch die Kinder und Jugendlichen der Nachwuchskirmesgesellschaften fieberten ihrem großen Auftritt entgegen. Dass eine solche Kirmes nicht nur Freude, sondern auch jede Menge Arbeit bedeutet, brachte Verena Reich, Vorsitzende des Exdorfer Kirmesverein e. V., mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Es wird stressig schön!“ Und wie recht sie damit behalten sollte!

14–15 – Kermes!

Am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, war es endlich so weit: Die Exdorfer Trachtenkirmes wurde traditionell mit dem Ansaufen der Kirmes im Saal des Kulturhauses eröffnet. Mit dem feierlichen Einmarsch der diesjährigen Kirmesgesellschaft, angeführt vom Schulzenpaar Aaliyah Müller und Colin Pfeffer, hielt die Kirmesstimmung endgültig Einzug. Und was darf zu einem gelungenen Kirmesauftakt in Exdorf auf keinen Fall fehlen? Natürlich das traditionelle Kirmesessen! Bei Wellfleisch mit Sauerkraut oder Sülze ließen es sich die zahlreichen Gäste schmecken. Denn auch die kulinarischen Traditionen gehören hier einfach dazu. 

Für die passende musikalische Umrahmung sorgten die „Jüchsegrund Musikanten“, die mit ihrer Blasmusik schnell für ausgelassene Stimmung sorgten. Spätestens aber, als die ersten Töne der heimlichen Exdorfer Hymne, des „Böhmischen Traums“, erklangen, war es um die Ruhe im Saal geschehen. Es wurde geschunkelt, gesungen und mitgefeiert, was das Zeug hielt. Kaum jemanden hielt es noch auf seinem Stuhl. Der ganze Saal bebte vor Begeisterung – und das wohlgemerkt an einem Donnerstagabend! Ein Auftakt, wie er für eine echte Exdorfer Kirmes kaum schöner hätte sein können.

Ohne Kirmesbaum keine Kirmes!

Während sich so mancher nach dem gelungenen Auftakt am Donnerstagabend vielleicht noch einmal im Bett umdrehte, hieß es für die Kirmesburschen und weitere männliche Vereinsmitglieder am Freitagmorgen bereits wieder: Auf geht’s in den Wald! Denn das traditionelle Kirmesbaumholen gehört in Exdorf genauso zur Kirmes wie Tracht, Musik und Tanz. Mit vereinten Kräften wurde der Baum aus dem Wald geholt

und anschließend am Kulturhaus geschält. Die Kirmesmädchen schmückten seine Spitze liebevoll mit bunten Stoffbändern, die später hoch über dem Platz vor dem Kulturhaus im Wind wehen sollten. Was für Außenstehende vielleicht nur wie ein schöner Brauch aussieht, ist für die Exdorfer ein fester Bestandteil ihrer Kirmestradition. Einer, der verbindet und von Generation zu Generation weitergetragen wird. Während draußen am Kirmesbaum gearbeitet wurde, herrschte auch im Kulturhaus geschäftiges Treiben. Tische wurden gerückt, letzte Vorbereitungen getroffen und die Technik für den Abend aufgebaut. Alles war bereit – nur eines fehlte noch: Der Kirmesbaum musste an seinen Platz! Mit viel Fingerspitzengefühl, vereinten Kräften und einer ordentlichen Portion Muskelkraft wurde er schließlich aufgerichtet. Als er am Abend stolz und in voller Pracht vor dem Kulturhaus stand, war für alle klar:

Jetzt ist wirklich Kirmes in Exdorf!

Heimat bedeutet Tradition

Doch zur Exdorfer Kirmes gehören nicht nur ausgelassene Stunden im Kulturhaussaal. Auch der Glaube und die Verbundenheit mit der Kirche haben hier seit jeher ihren festen Platz. Am Freitagabend lud die Kirchgemeinde Exdorf/Obendorf um 19 Uhr zum traditionellen Kirmesgottesdienst in die Exdorfer Dorfkirche ein. Gemeinsam mit der Nachwuchskirmesgesellschaft zog die Kirmesgesellschaft feierlich in die Kirche ein. Den Gottesdienst gestaltete in diesem Jahr Pfarrer Lukas Rinecker aus Römhild, der Pfarrer Florian Freiberg vertrat. In seiner Predigt widmete er sich einem Thema, das wohl kaum besser zu diesem Wochenende hätte passen können: Heimat. Was bedeutet Heimat eigentlich? Ist es der Ort, an dem wir geboren wurden? Sind es die Menschen, mit denen wir aufgewachsen sind? Oder sind es die Erinnerungen, die uns ein Leben lang begleiten? Jeder Einzelne war eingeladen, diesen Gedanken für sich nachzugehen. Und vielleicht wurde gerade an diesem Wochenende besonders deutlich, dass Heimat weit mehr ist als ein Punkt auf der Landkarte. Heimat ist das vertraute Läuten der Kirchenglocken. Heimat ist der Klang der Blasmusik, der durch die Straßen zieht. Heimat sind die Menschen, die gemeinsam anpacken, miteinander lachen und füreinander da sind.

Heimat bedeutet aber auch, Traditionen zu bewahren, sie mit Leben zu füllen und an die nächste Generation weiterzugeben.

Genau das macht die Exdorfer Trachtenkirmes so besonders. Hier wird Tradition nicht nur erzählt oder in alten Erinnerungen festgehalten. Hier wird sie gelebt – mit Stolz, Begeisterung und ganz viel Herz.

Tracht an – Alltag aus!

Nach dem Gottesdienst ging es zurück ins Kulturhaus, wo der nächste Höhepunkt bereits auf die Gäste wartete. Den Anfang machte die Nachwuchskirmesgesellschaft, die mit ihrem Einmarsch einmal mehr bewies, dass man sich um die Zukunft der Exdorfer Kirmestradition keine Sorgen machen muss. Dass der Verein in der Nachwuchsarbeit so gut aufgestellt ist, ist vor allem dem unermüdlichen Engagement von Julia Keller und Juliane Walter zu verdanken. Sonntag für Sonntag probten die beiden mit den Kindern und Jugendlichen, übten die Abläufe und bereiteten sie mit viel Geduld und Begeisterung auf ihre Auftritte vor. Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Gleich zwei Nachwuchskirmesgesellschaften kann der Exdorfer Kirmesverein vorweisen!

Das ist alles andere als selbstverständlich und zeigt eindrucksvoll, wie tief die Kirmestradition im Dorf verwurzelt ist. Denn was könnte schöner sein, als zu sehen, wie schon die Jüngsten mit leuchtenden Augen und voller Stolz ihre Tracht tragen und damit ein Stück Heimatgeschichte weiterschreiben? Anschließend hieß es: Tanzfläche frei! Die Band „Zeltstoff“ sorgte für beste Stimmung und brachte den Saal ordentlich in Bewegung. Es wurde getanzt, gelacht und bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Der Alltag? Für ein paar Stunden ganz weit weg!

Wenn ein ganzes Dorf Kirmes feiert

Auch am Samstag war an Ausschlafen kaum zu denken. Denn nun stand eine weitere lieb gewonnene Tradition auf dem Programm: die Ständchen von Haus zu Haus. Mit Musik und guter Laune zog die Kirmesgesellschaft durch den Ort. Und auch wenn sich das Wetter nicht gerade von seiner besten Seite zeigte, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Schließlich lässt sich ein echter Exdorfer die Kirmeslaune nicht von ein paar Regentropfen verderben! Am Abend wartete dann ein weiterer Höhepunkt des Kirmeswochenendes. Mehr als 500 Gäste durfte der Exdorfer Kirmesverein e. V. zum Kirmestanz im Kulturhaus begrüßen. Die Band „Zeltstoff“ heizte den Feiernden erneut kräftig ein. Der Saal war voller Leben, die Tanzfläche bestens gefüllt und die Stimmung ausgelassen. Alte Bekannte trafen sich wieder, Freundschaften wurden gepflegt und neue Erinnerungen geschaffen. Genau das sind die Momente, die eine Dorfkirmes so besonders machen.

Kleine Trachtenträger ganz groß!

Nach drei ereignisreichen Tagen war am Sonntag noch lange nicht Schluss. Der Tag begann mit dem traditionellen Frühschoppen, bevor am Nachmittag die jüngsten Kirmesgäste ihren großen Auftritt bekamen. Beim Kindertanz mit „Black & White“ verwandelte sich der Saal noch einmal in einen Ort voller Musik, Kinderlachen und ausgelassener Stimmung. Ein besonderer Höhepunkt war der Einmarsch der Kleinsten aus der Nachwuchskirmesgesellschaft. In ihren Trachten, mit Häubchen und Zylinder, präsentierten sie voller Stolz, was sie in den vergangenen Wochen fleißig einstudiert hatten. Und spätestens bei „Rucki-Zucki“ und der Stuhlpolka gab es auch für die kleinen Besucherinnen und Besucher kein Halten mehr. Da wurde getanzt, gehüpft, gelacht und mitgemacht, bis auch die letzten Energiereserven aufgebraucht waren. Wer diese Begeisterung in den Kinderaugen sah, konnte erahnen, dass die Exdorfer Kirmestradition auch in Zukunft in guten Händen liegen wird. Denn genau hier beginnt das, was eine Tradition lebendig hält: bei den Kleinsten, die heute noch staunend mitfeiern und vielleicht schon in wenigen Jahren selbst als Kirmesburschen und Kirmesmädchen durch den Saal marschieren.

Vier Tage voller Erinnerungen – und ein bisschen Wehmut

Der Sonntagabend hatte schließlich noch einmal seinen ganz eigenen Zauber. Nach vier Tagen voller Musik, Tanz und unzähliger schöner Momente kamen viele Exdorfer noch einmal zusammen, um das Kirmeswochenende gemeinsam ausklingen zu lassen.

Man saß beisammen, lachte über die Erlebnisse der vergangenen Tage und ließ die schönsten Augenblicke noch einmal Revue passieren. Natürlich schwang dabei auch ein kleines bisschen Wehmut mit. Denn kaum hatte die Kirmes richtig begonnen, war sie gefühlt auch schon wieder vorbei. Doch wer die Exdorfer kennt, weiß: Für lange Abschiedsstimmung bleibt hier keine Zeit! Schließlich steht die Nachkirmes schon fast wieder vor der Tür.

Und so überwog am Ende vor allem eines: die Freude über ein rundum gelungenes Festwochenende und die Vorfreude auf das nächste gemeinsame Feiern.

Was bleibt, ist mehr als nur ein schönes Wochenende

Was nach außen so selbstverständlich und leicht aussieht, ist in Wahrheit das Ergebnis unzähliger Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Hinter jedem geschmückten Tisch, jedem gelungenen Einmarsch und jedem Programmpunkt stehen Menschen, die ihre Freizeit opfern, Verantwortung übernehmen und mit großem Engagement dafür sorgen, dass diese Tradition weiterlebt. Deshalb gilt ein besonders herzliches Dankeschön dem gesamten Exdorfer Kirmesverein e. V. sowie allen Helferinnen und Helfern, die vor, während und nach der Kirmes mit angepackt haben. Menschen, die organisieren, aufbauen, schmücken, vorbereiten, anpacken und manchmal auch dann noch weitermachen, wenn andere längst nach Hause gegangen sind.

Ohne sie wäre eine solche Veranstaltung schlichtweg nicht möglich.

Ebenso gilt ein großes Dankeschön den zahlreichen Gästen, die Jahr für Jahr nach Exdorf kommen und die Kirmes mit ihrer Begeisterung zu dem machen, was sie ist. Denn was wäre eine Kirmes ohne Menschen, die gemeinsam feiern? 

Es ist dieses besondere Miteinander, das aus einem Fest ein Stück Heimat macht.

Und wer nach vier Tagen noch immer nicht genug von der Kirmesfeierei hat, sollte sich den 14. und 15. November 2026 schon jetzt fest im Kalender vormerken. Dann lädt Exdorf zur traditionellen Nachkirmes ein.

Denn eines hat dieses Wochenende wieder einmal eindrucksvoll gezeigt:

Heimat ist mehr als nur ein Ort. Heimat sind die Menschen, die uns verbinden. Es sind die Erinnerungen, die wir miteinander teilen, und die Traditionen, die wir gemeinsam bewahren. Und solange es Menschen gibt, die mit so viel Herzblut, Stolz und Begeisterung ihre Kirmes feiern, wird diese besondere Tradition in Exdorf weiterleben. Denn Heimat bedeutet Tradition. 

Verena Reich – Vorsitzende Exdorfer Kirmesverein e.V. & Joelina Marie Hirn – Ortschronistin

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